Donnerstag, 29. Oktober 2009

Geschichten, die das Leben schreibt.

Es gibt Menschen, die begleiten dich dein ganzes Leben lang. Bei einigen kannst du nichts daran ändern, wie den Eltern. Bei einigen steckst du viel Kraft und Mühe und Liebe hinein, dass sie bei dir bleiben mögen. Und bei wieder anderen tust du nichts dergleichen und doch kreuzen sie deinen Weg immer und immer wieder.

Eine solche Person ist für mich: Alexander H.
Alles begann, wie sooft, in der Grundschule. Er war der Enkel einer Bäckerin und somit jeden Morgen im Besitz von köstlichen Käsebrötchen. Meine Freundin und ich waren immer auf der Jagd nach den verlockensten Krümeln. (Jaja, peinlich. Ich weiß. Aber es gehört nunmal zur Geschichte). Und überdies war ich natürlich auch schwer in ihn verliebt.
Nach der Grundschule gingen wir zunächst getrennte Wege. An dieser Stelle möchte ich die Weimar-Interne-Ironie nicht verschweigen, dass ich auf das Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasium ging, während er die nächsten Jahre auf dem Friedrich-Schiller-Gymnasium verweilte. Als nächstes begegnete er mir als Freund einer meiner besten Freundinnen wieder, was jedoch nicht von besonders langer Dauer war. Später traf man sich dann zu verschiedensten Anlässen wieder, z.B. zu jener sagenumwobenen Clara-Party Ende der 9. Klasse, auf der wir alle mehr tranken, als es uns guttat (Divan-Decke-des Schweigens). Da er nicht nur der Enkel einer Bäckerin, sondern auch der Sohn einer Pizzariabesitzerin war, bediente er mich auch in den Jahren das eine oder andere Mal.
Die nächste Station auf meinem Lebensweg war Leipzig. Für ihn auch. Also begegnete man sich auch hier. Auf der Straße. In der Straßenbahn. Oder, und damit komme ich zum Anlass dieser Geschichte, im Supermarkt. Dienstag, 21:30 Uhr, keine Milch im Haus. Also nochmal los. Milch kaufen. Und wenn man schonmal da ist, noch Birnen, Haferflocken, Limo und Wein. Vor mir an der Kasse: Alexander H. Wein, Orangensaft und Zigaretten. Man nickt sich zu und schweigt. Schließlich ist er an der Reihe. Seine Karte funktioniert nicht, trotzdem die Kassiererin ihr bestes gibt und es immer und immer wieder versucht. Es ist spät. Der nächste Bankautomat, selbst mit dem Fahrrad zu weit weg. Was tun? Ich springe ein. "Hey, Alex. Soll ich dir helfen? Komm ich bezahls mit und du gibst es mir dann mal wieder." Klappt. Meine Ware wird also noch zugerechnet. Meine Karte funktioniert. Es werden Nummern und Mailadressen ausgetauscht und Dinge in Beutel gepackt. Nach draußen. "Hey, danke, Sophie! Ohne meinen Feierabendwein wäre ich heute aufgeschmissen gewesen." "Na klar, kein Problem. Und: ich auch!"
So sind sie also die Studenten: holen sich kurz vor Ladenschluss ihren Feierabendwein, den sie dann alleine vor dem PC oder Fernseher trinken. Aber, immerhin, sie helfen sich.

Bis nächstes Mal, Alex. Man sieht sich immer zweimal im Leben.